Fränkische Schweiz: A bis Z Wandern

Fränkische Schweiz A-Z: Z – Ziegelmühle im Trubachtal

Das Trubachtal ist das Mühlenreichste Tal der Fränkischen Schweiz. Schön, dass mich meine kleine Reihe mit dem „Z“ genau dahin führt: Zur Ziegelmühle.

Dieser Text ist Teil meiner Serie „Die Fränkische Schweiz von A bis Z“ – mehr erfährst du hier

Der erste Sommertag

Oh yeah, diesen Tag beginne ich mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Denn heute ist mein Timing mehr als gut. Dank Teilzeit (beste Entscheidung ever!) habe ich heute nämlich frei und anstatt mich müde ins Büro zu schleppen, springe ich entzückt in meine Wanderklamotten und kann diesen Tag in der Fränkischen genießen. Seit längerem plagt mich das schlechte Gewissen, dass ich meine A-Z-Liste aufgrund von zu viel Arbeit und Zeuch, divers vernachlässigt habe. Aber gestern habe ich im Lostopf gerührt und herausgesprungen ist ein „Z“. Die Garantie für einen zauberhaften Tag draußen in der Natur!

Ich starte meine Tour in Herzogwind und obwohl die ersten Meter an der Straße entlang führen, krieg ich mich ja gar nicht ein. Sonnenschein, Blumen und Vogelzwitscher – war noch irgendwas?

Gelbe Blume

Die Botanik-Niete hat wie üblich keine Ahnung, wie die Blume heißt. Freut sich aber über Erleuchtung!

Kurz vor Obertrubach gibt es einen Rastplatz und macht nochmal deutlich, wofür die Fränkische Schweiz so berühmt ist: Felsen, Burgen und Mühlen. Heute bekomme ich alles drei auf einmal.

Altarstein bei Obertrubach auf dem Weg zur Ziegelmühle (Fränkische Schweiz)

Der Altarstein bei Obertrubach

Der Weg durchs Trubachtal

Der Weg führt durch Obertrubach und dann ab der Trubachtalquelle auf einem Pfad am Bach entlang. Die Trubach ist ein 21 Kilometer langer Bach und hat ein markantes Tal hervorgebracht. Die ursprüngliche Quelle ist einer Karstgrotte entsprungen, aber inzwischen versiegt. Durch Baumaßnahmen kann man sich aber immer noch an der „trüben Ach“ erfreuen. Der Weg ,der als geologischer Lehrpfad angelegt ist, versorgt einen nicht nur mit schönen Momenten in der Natur, sondern auch einer gehörigen Portion Informationen. Da ich den Weg nicht zum ersten Mal gehe, habe ich mehr Zeit, um mich mit meiner Umgebung zu beschäftigen. Den Pusteblumen am Wegrand und den Hummeln, die nach den letzten Pollen suchen und langsam von Blüte zu Blüte taumeln. Hab ich schon erwähnt, das so ein freier Mittwoch sensationell ist?! 😉 Vor allem, da in letzter Zeit etwas wenig Zeit war für größere Outdooraktivitäten. Allein unterwegs bleibt auch genug Zeit, um meinen eigenen Gedanken nachzuhängen.

Pusteblumen am Wegesrand auf dem Weg durchs Trubachtal

Wer schon nach kürzester Zeit eine Pause braucht, kann diese am Kletter-Informationszentrum einlegen. Das Informationszentrum versteht sich als Begegnungsstätte für Kletterer und solche, die es werden wollen. Hier gibt es u.a. eine Übersichtskarte mit Kletterfelsen. Wer sich mehr nach Erholung sehnt, kann hier mal kurz die Straße queren und sich ein bisschen Wellness im Kneippbecken gönnen. Meine Verabredung zum Mittagessen sorgt aber dafür, dass ich lieber schnell weiter in Richtung meines heutigen Ziels, der Ziegelmühle, gehe.

Kletterinformationszentrum bei Obertrubach

Kletterinformationszentrum bei Obertrubach

 

Mühlen im Trubachtal

So richtig habe ich es dem kleinen Bächlein ja nicht zugetraut, aber das Trubachtal ist das Mühlenreichste Tal der Fränkischen Schweiz. Es gab 19 urkundlich erwähnte Mühlen im Trubachtal, heute sind noch 14 vorhanden. Auf den rund 20 Kilometern reihen sie sich, wie eine Perlenkette aneinander. Da die Trubach aus einer Karstquelle gespeist wurde, fließt das Wasser hier erstaunlich schnell. Mehrere Hundert Liter pro Sekunde sind möglich und dadurch kann man auch schon kurz nach der Quelle eine Mühle betreiben. Müller war im Mittelalter ein sehr angesehener Beruf, daher hatten diese Idee im Trubachtal wohl so einige.

Die Ziegelmühle im Trubachtal

Die Ziegelmühle gehört mit der Hackermühle, Schlötermühle und Reichelsmühle zu den ältesten Mühlen im Trubachtal. Sie ist seit 1383 urkundlich erwähnt, aber wurde schon davor gebaut und betrieben. Seit 1820 heißt sie Ziegelmühle und war die größte Mühle im bambergischen Bistum.

Heute beeindruckt die Ziegelmühle vor allem durch das tolle Fachwerk. Die Ziegelmühle ist eine Einöde an der Straße zwischen Obertrubach und Hammermühle. Den meisten dürfte sie wohl kein Begriff sein, weil man an den vier Häusern die unterhalb der Straße liegen einfach vorbei fährt. Wer sich aber die Mühe macht und einen Abstecher wagt, wird mit einem wunderbaren Anblick belohnt. Die grünen Fensterläden zum roten Gebälk strahlen für mich etwas urgemütliches aus und machen Lust das ganze Haus zu erkunden. Wer das möchte und vielleicht eh gerade eine Wehwechen hat, kann sich ja mal einen Termin bei der im Haus ansässigen Naturheilpraxis geben lassen. Ich liebe so kleine Schmuckstücke! Schon allein dafür hat sich der Weg gelohnt.

Fachwerkhäuser der Ziegelmühle im Trubachtal

Ziegelmühle im Trubachtal

Schon von der Straße aus kann man das Mühlrad klackern hören, allerdings muss man auf den Anblick leider verzichten. Das Mühlrad selbst ist verbaut.

Holzverschlag an der Ziegelmühle

Auf dem Weg zur Ruine Wolfsberg

Von hier an führt die Wanderung, begleitet von der Markierung Blauer Strich, über den Richard-Wagner-Felsen (Toller Fotospot für Kletterfans) und weiter durchs Trubachtal nach Wolfsberg. Eigentlich alles ganz easy bei besten Sonnenschein.

Richard-Wagner-Fels

Der Richard-Wagner-Felsen ist aufgrund des Reliefs und der damit einhergehenden Ähnlichkeit nach dem berühmten Komponisten benannt

Brücke im Trubachtal

Vertrauenserweckende Brücke im Trubachtal

Nachdem ich vielleicht die Abzweigung nach Wolfsberg etwas voreilig genommen habe, stehe ich – nach dem Brennesselfeld – vor dieser wahnsinnig vertrauenserweckenden Brücke. Da selbst die Längsbalken schon bessere Zeiten gesehen habe, nehme ich die beiden drauf gelegten Bretter. Gefühlt wird dieser Weg aber wohl nicht mehr ewig bestehen.

Heruntergekommene Brücke im Trubachtal

Weniger vertrauenserweckendes Exemplar

Zu Gast in Wolfsberg und hoch oben auf der Ruine Wolfsberg

In Wolfsberg selbst staune ich nicht schlecht, was für Hobbies und Dekorationsideen die Leute so haben. Die Scheune ist wirklich bis auf den letzten Zentimeter mit PKW-Schildern voll. Neben den örtlichen FO-Kennzeichen finden sich ein paar exotische aus Canada und den USA.

Schilderwald an einer Scheune in Wolfsberg

Schilderwald an einer Scheune in Wolfsberg

Von hier aus führt der Weg auf die Ruine Wolfsberg, wo man zur Mittagspause einen schönen Ausblick über das Trubachtal hat und noch ein bisschen am Sonnenbrand arbeiten kann. Natürlich habe ich die Ruine für mich allein – ist ja schließlich unter der Woche!

Zurück nach Herzogwind

Ab der Ruine laufe ich ein Stück die Straße entlang, bevor es wieder in den Wald geht. Hier begegnen mir zumindest mal Menschen, auch wenn die Bauern für meinen Laissez-faire-Lifestyle den Blicken nach zu urteilen, nicht besonders viel Verständnis haben. Mir ist das egal, denn man muss die Sommertage halt genießen, wenn sie da sind… und sich nicht in 8 Wochen wundern, wie es denn sein kann, dass der Sommer schon wieder vorbei ist? So wie die Löwenzahnpracht. Das Meer von Unkraut säumt den Weg, aber da es hier ja nicht um meinen Garten geht, sehe ich das sehr gespannt und stürze mich voller Enthusiasmus auf diese (unfrei?-)willigen Fotomodelle.

Der Weg führt weiter nach Hundsdorf, wo ich sogar noch ein junges Fohlen und ein Hängebauchschwein bestaunen darf. Somit ein perfekter Sommertag, den ich optimal nutzen konnte. Das letzte Stück gehe ich über die Straße nach Herzogwind. Den Rest des Tages verbringe ich lesend in meiner Hängematte 🙂

A, B oder C? Wo soll es denn beim nächsten Mal hingehen?!

 

Weitere Informationen zur Wanderung

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