Abenteuer DIY Garten

Wenn das stille Örtchen fehlt – Komposttoilette für den Garten selber bauen

Komposttoilette für den Garten selber bauen_Toilette

Herzförmige Tür, kein Wasser und vielleicht eher iiiihhh als juhu? Toiletten für draußen sind häufig besser als ihr Ruf – und auf mein Modell im Garten bin ich ja besonders stolz. Wir haben eine Komposttoilette für unseren Garten selber gebaut.

Wenn das stille Örtchen fehlt

Mit der Pacht unseres Gartens bin ich mit einem Mal auf ein Problem gestoßen, das mir vorher nicht so bewusst war: Was mach ich, wenn ich mal muss? Eine Toilette oder ein Haus, in das man mal eben hinein huschen kann, ist nämlich nicht vorhanden und dasselbe gilt auch für einen Wasseranschluss. Dazu kommt: Unser Garten liegt direkt gegenüber eines Klosters, da ist man ja nicht gerade unbeobachtet, wie im Wald hinter der letzten Tanne links. Mal abgesehen davon, dass man gewisse Dinge ja auch nicht so gerne im Garten finden würde und die olfaktorische Vision für den Garten eher in Richtung Feuer und Gras als Odelgrube geht.

Lösungssuche

Auch hier hilft mir meine Leidenschaft weiter und zwar, die für Hütten und Bauwägen. Ein schöner Moment! Ich stöbere meinen Zeitschriftenstapel durch. Tada, im OSKAR finde ich, was ich gesucht habe: Komposttoiletten! Natürlich stammt eines der bekanntesten Modelle aus Schweden. Die Schweden sind ja, was das angeht in meinen Augen sehr fortschrittlich. In der Nähe jedes Shelters gibt es eine Toilette. Zwar meist ein Plumpsklo, aber immerhin.

Komposttoilette = Plumpsklo = *stink*?

Anfänglich erscheint mir die Idee, eine Toilette ohne Wasserspülung zu haben, nicht besonders attraktiv. Ich denke an das klassische Plumpsklo mit dem dazugehörigen Gestank. Und dann fallen mir die Nachbarn ein und die Entsorgung und…

Ich bin schon kurz davor das Thema wieder zu verwerfen, bis ich verstehe das Komposttoiletten die fortgeschrittene Variante des Plumpsklos sind.

Die Komposttoilette

Wie funktioniert eine Komposttoilette?

Beim Plumpsklo funktioniert die Benutzung ja in etwa so: Türe mit Herzchenausschnitt auf – den Sitz möglichst wenig berühren – alles in das darunterliegende Gefäß – schnell rausrennen.

Der große Unterschied zur Komposttoilette besteht darin, dass die festen und flüssigen Ausscheidungen durch einen Plastikeinsatz getrennt werden. Das eine fällt in einen Eimer und wird mit einer Streu abgedeckt, dass dem Ganzen die Flüssigkeit entzieht. Dagegen fließt der Urin über einen Schlauch in einen Kanister.

Der Inhalt des Eimers beginnt sich schon in der Toilette zu zersetzen. Anschließend kommt er in einen geschlossenen Komposter und wird dort mit anderen Gartenabfällen für ca. 1 Jahr gelagert. Am Ende hat man Komposterde, die man wieder im Garten einsetzen kann.

Der Urin kann in einem Verhältnis von 1:10 verdünnt und als Dünger eingesetzt werden. Alternativ kann er auch mitgenommen und in einer normalen Toilette auf seine letzte Reise geschickt werden.

Was sind die Vorteile einer Komposttoilette

1. Geruchsminimierung

Der größte Vorteil: Geruchsminimierung! Erst durch die Verbindung von festen und flüssigen Ausscheidungen entstehen Fäulnisprozesse, die diesen furchtbaren Geruch erzeugen. Durch die Trennung können diese weitgehend vermieden werden.

2. Wasser sparen

33 Liter am Tag verbraucht jeder von uns nur für die Toilette. Eine ordentliche Menge und eine, die man auch sparen kann, wenn es Alternativen gibt. Mittlerweile gibt es auch Hotels und Privatwohnungen, die sich bewusst für die wasserlose Alternative entscheiden.

3. Keine Chemie

Die Alternative zur Komposttoilette kann ja auch heißen: Chemietoilette. Allerdings wie der Name schon sagt, wird hier nicht gerade umweltfreundliche Chemie verwendet und man muss sich um die Entsorgung von dem Zeug kümmern. Also keine wirkliche Alternative!

4. Dünger produzieren

Terra Preta oder auch schwarze Erde ist ein Gemisch aus Pflanzen, menschlichen Ausscheidungen und Kohle, dass sogar den Urwald zum Blühen bringt. Durch die Komposttoilette in Verbindung mit der entsprechenden Einstreu und einem Komposter hat man die Möglichkeit Terra Preta selbst herzustellen. So tut man seinem Garten am Ende noch etwas Gutes und kann sich das Geld für Dünger schon mal sparen.

Komposttoilette für den Garten selber bauen

Mit dem frisch angeeigneten Vorwissen ging es an den Bau unserer Toilette. Neben der Variante Eigenbau gibt es z.B. von Separett oder Biolan auch fertige Toiletten, die im Prinzip aussehen wie ganz normale Toiletten. Da wir uns aber mit der Plastikoptik nicht so ganz anfreunden konnten und auch die Variante der schon fertigen Holzkiste uns ja den ganzen Do-it-yourself-Spaß genommen hätte, haben wir uns für den Eigenbau entschieden.

Der Plan

Um mich dem Thema anzunähern, habe ich mir das Buch „Kompost-Toiletten für Garten und Freizeit: Sanitärtechnik ohne Wasser und Chemie“ von Wolfgang Berger besorgt.

Das Buch erklärt die Funktionsweise der Toilette, welche Modelle für welchen Einsatzbereich geeignet sind und wie man das ganze ordnungsgemäß kompostieren kann. Die Bilder von anderen Toiletten waren dann die Inspiration für den Bau unserer Toilette sowie dieser Artikel.

Um den ggf. nötigen Rückbau möglichst einfach zu gestalten, ist unser Konstruktionsplan auch sehr simpel. Es gibt eine Sitzfläche aus Holz an der die Klobrille und der Trenneinsatz verschraubt sind. Die Sitzfläche wird mit Winkeln an der Rückwand verschraubt und seitlich von Leisten gestützt. Um den Sammelbehälter zu entleeren, gibt es an der Vorderseite der Sitzfläche eine Klappe, die sich nach oben hin öffnen lässt und mit Scharnieren befestigt ist. Soweit der Plan.

Komposttoilette für den Garten selber bauen_Material liegt wahllos herum, u.a. Brett und Klobrille

Vorbereitungschaos zuhause

Unsere Materialiste

Ganz ursprünglich wollten wir ein richtiges Klohäuschen bauen. Da sich aber abgezeichnet hat, dass man an unserem Gartenhäuschen noch ein bisschen was reparieren muss und wir ohnehin im Gartenhaus einen kleinen Nebenraum 1m*3m haben, haben wir uns für die Einbauvariante entschieden. Folgendes Material haben wir z.T. online als auch im Baumarkt besorgt.

  • Separett Privy 500 – der Trenneinsatz für die Toilette und damit das wichtigste Teil. Mitgeliefert wird ein Thermositz und der Urinschlauch
  • Klobrille (Wir haben uns aus optischen Gründen für eine Klobrille entschieden. Das Separett Privy 500 hat aber schon einen Thermositz mit Deckel den man verwenden kann oder man entscheidet sich für das Separett Privy 501 mit eigener Klobrille)
  • Urinkanister
  • Eimer
  • Kompostierbare Tüten für den Eimer
  • Einstreu für die Toilette
  • Brett mit einer Breite von 60cm für die Sitzfläche
  • Brett mit einer Breite von 47cm für die Toilettenvorderseite als Klappe (ursprünglich war das Brett 50 geplant….)
  • 2 Winkel für die Anbringung der Sitzfläche (hinten)
  • 2 Leisten (Länge 55cm) für die Anbringung der Sitzfläche (seitlich)
  • 1 Leiste (Länge 40 cm) als Schließkante für die aufklappbare Vorderseite
  • 2 Scharniere Topfscharniere (ursprünglich hatten wir normale Scharniere, aber mein Vater hatte auch noch eine Optimierungsidee, damit die Toilette schöner abschließt und hat welche von einer alten Schrankwand gesponsert)
  • Schrauben
  • 4 x Schrauben + Muttern für die Befestigung des Separett Einsatzes
  • Griff zum Öffnen der Vorderseite
  • Wasserabweisende Unterlage (ich habe einfach eine Wachstischdecke zugeschnitten)

Improvisiert haben wir den Anschluss des Schlauch an den Urinkanister. Ich bin davon ausgegangen, dass die Tülle zum Kanister gleich mitgeliefert wird. War in unserem Fall nicht so und wir haben den Schlauch jetzt in den Kanister gesteckt und einfach abgedichtet.

Der Bau

Toilette

Eigentlich ist es recht einfach: Bretter grob vorschleifen, wobei ich nur das „Sitzbrett“ geschliffen habe. Dann anhand der Klobrille und der Zeichnung auf dem Separett-Karton mit einer Stichsäge die Öffnung für die Toilette ins Holz sägen. Wir haben uns entschlossen, um den Abbau ggf. zu erleichtern, den Separett-Einsatz mit Schrauben und Muttern zu befestigen anstatt ihn zu verschrauben. Daher haben wir versucht die Klobrille so anzubringen, dass die Schrauben möglichst gut verdeckt sind. Ist uns bis auf eine auch gelungen. Nach dem Aussägen des Lochs und dem Anbringen des Separett-Einsatzes haben wir den Klodeckel einfach nach Anleitung montiert. Einfach nochmal abschleifen und schon ist die Toilettenoberseite fertig. Wenn man die passende Ausstattung (Säge) hat, ist es wirklich ein Kinderspiel. Anschließend haben wir die beiden Winkel an der Unterseite zur Wand hin angebracht, damit der Einbau am Bestimmungsort schneller geht.

Komposttoilette für den Garten selber bauen_Einbau Separett: Brett mit Loch. Oben auf dem Brett liegt die Klobrille

Das Loch passt schon mal. Sieht ja praktisch schon fertig aus!

Klappe

Nicht ganz so einfach ist die Geschichte mit den Scharnieren. Die Idee ist der Toilette eine Klappe zu verpassen, die man nach oben öffnen kann, um den Eimer zu leeren etc.. Wir hatten aus dem Baumarkt einfache Scharniere mitgebracht. Mein Vater, der uns bei solchen Bauprojekten immer Rat und Tat zur Seite steht, war mit dieser Variante nicht so ganz zufrieden. Durch normale Scharniere entsteht immer eine sichtbare Kante und das Brett verschwindet nicht so schön, wie man das von Schränken gewöhnt ist. Aber auch hier konnte mein Vater Abhilfe schaffen. Einer alten Schrankwand wurden kurzerhand zwei Topfscharniere geklaut. Daher hat er das Einsägen der Aussparungen auch gleich übernommen 🙂 . Obwohl der Ausschnitt erst am falschen Brett war, funktioniert die „Mechanik“ bestens!

Einbau

Komposttoilette für den Garten selber bauen_Toilettenraum

Da soll sie am Ende stehen.

So gut vorbereitet, marschieren wir mit unseren Teilen in den Garten. Zuerst haben wir die zwei seitlichen Leisten montiert auf denen die Toilette ruht. Wir haben uns für eine Höhe von 48cm (Oberkante) entschieden, damit die Toilette am Ende eine Gesamthöhe von 50cm* hat (*Nachtrag: Wenn wir die Toilette nochmal umbauen, werden wir die Gesamthöhe auf 48cm absenken. Ist doch optimaler).
Anschließend wurde die Toilette aufgelegt und die beiden Winkel mit der Wand verschraubt. Für den Transport haben wir den Trenneinsatz und die Klobrille abmontiert und hier wieder fix installiert. Als nächstes haben wir den Urinschlauch durch ein Loch in der Wand auf Bodenhöhe nach draußen verlegt. Für den Urinkanister haben wir außerhalb des Gartenhauses ein Loch gegraben, damit der Kanister „tiefer“ liegt und alles gut abfließen kann.
So sieht das dann aus:

Komposttoilette für den Garten selber bauen_Unterseite: Komposttoilette von unten.

Der Einbau der Frontseite war dann aufgrund der etwas nicht optimalen Maße (Der Toilettenraum verschmälert sich bei uns) nicht so ganz problemlos. Aber nach ein paar Mal hin- und herfahren und nachsägen, können wir sagen: Yeah, wir haben eine Komposttoilette für den Garten selber gebaut! Zum Glück bin ich nicht besonders perfektionistisch verlangt. Daher kann ich auch mit den Spalten gut leben 🙂

Komposttoilette für den Garten selber bauen_Fertige Toilette

Die Kosten

Alles in allem und inklusive Verbrauchsmaterial hat uns der Bau unserer Toilette rund 320 € gekostet. Damit deutlich günstiger als die Plastikmodelle (ab 500€) und der schon vorgebaute Holzkasten.

Was kommt als nächstes?

Was wir im Moment noch nicht haben, ist ein Belüftungsrohr ggf. mit Windventilator oder Solarbetrieb. Das hilft natürlich schon nochmal beim Geruchsthema. Diesen Einbau werden wir voraussichtlich im Rahmen der nächsten Sanierungsmaßnahmen vornehmen. Unsere Erfahrungen mit und ohne Lüftung werde ich einer aktualisierten Version des Artikels noch nachliefern.

Ansonsten planen wir noch den Einbau eines Waschbeckens (ganz ohne Wasser geht es dann auch hier nicht). Oben soll das frische Wasser aus einem Kanister kommen und unten das Brauchwasser in einem anderen Kanister aufgefangen werden. Mal schauen, was wir da noch an Optimierungspotential finden.

Hui oder pfui?! Was meint ihr?

Über uns

Dabei das Beste aus den kostbarsten Stunden zu machen. Wandern, Klettern, Natur und Abenteuer erleben. In Franken – meiner Heimat und auf Reisen.

4 Kommentare

  1. Schön geworden. Danke für den Re-Link zu meinem Artikel. Ich freue mich, dass mein Kompostklo euch Anregungen gegeben hat.

    • 16hfreiheit

      Danke dir! War eine super Anregung und hat uns sehr weiter geholfen!

      Viele Grüße
      Lisa

  2. Hallo Lisa,

    auch ein schöner Bericht zu den Privy-Separierungs-Einsätzen, die wir schon seit 2004 weltweit vertreiben.

    Einige Anmerkungen/Korrekturen möchte ich mir erlauben:

    bei normaler Nutzung muss alle paar Wochen der Fäkalien-Behälter geleert werden. In dieser Zeit passiert, außer ein bisschen Trocknung des Materials, nichts!
    Zersetzung, Kompostierung (Fermentierung im geschlossenen Behälter!) oder Keimreduzierung benötigt viel mehr Zeit und bessere Bedingungen. Die gibt´s dann im Komposter – wo das Material jahrelang verbleiben sollte (je nach Qualität).

    Der Wasserverbrauch für normale Toiletten-Spülung liegt in der Regel sehr viel höher, als die hier angegebenen 33 Liter. Je nach Region und Erhebung wird eher von 100 und noch viel mehr Litern tagtäglich gesprochen, was auch völlig logisch ist, denn je nach Spülkasten rinnen 6 – 12 l durchs Rohr, wenn man die Taste betätigt und Manche(r) nimmt auch fürs „kleine, aber häufige Geschäft“ die volle Menge. Und jetzt überleg´mal, wie oft Manche(r) rennt…

    Die Kosten können schon geringer sein:
    Bei 83,50 Euro beginnt der einfachste Privy-Set und die Holzversion, mit Zubehör, kostet „nur“ 186,00. Auch beginnen die fertigen Kunststoff-Separations-Modelle bereits bei 358,00 und ohne Separation gibt´s das Ganze gar für die Hälfte.

    Natürlich gibt´s auch Kanister mit Anschluss-Tüllen – wenn man will.

    Ein Wind-Ventilator kann helfen, ist aber unzuverlässiger – je nach Standort…

    Wenn ein 12V-Lüfter geplant ist, der mit Solarstrom versorgt werden soll (was für den geruchlosen Betrieb Sinn macht), dann ist der Schritt zur LED-Lampe und auch Wasserhahn mit kleiner 12V-Tauchpumpe nicht mehr weit (einfacher und komfortabler als der Kanister überm Becken). Bevor hier dann vorschnell billig improvisiert und teuer nachgebessert werden muss, empfiehlt sich die genau überlegte Planung einer autarken Solarstrom-Inselanlage – unser Schwerpunkt seit 1997…

    Planungs-Hilfen dazu gibt´s auf unserer Homepage.

    Ich hoffe nicht, dass dies als „plumpe Werbung“ angesehen wird. Notfalls kannst Du den Link ja entfernen.

    Ciao.

    • 16hfreiheit

      Hallo Thomas,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Deine Anregungen werde ich für die Überarbeitung des Artikels auf jeden Fall berücksichtigen. Über die Solarstromanlagen haben wir schon mal nachgedacht, aber die Idee muss noch ein bisschen schmoren 😉 Aber danke für den Tipp mit den Planungshilfen! Im Moment befinden wir uns noch in der ersten Testphase… mal schauen, was ich sage, wenn die erste Saison vorbei ist.

      Viele Grüße
      Lisa

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