Klettern

Wie man die Verletzungspause beim Klettern übersteht

Kletterndes Monchichi

„Ich kann nicht klettern! Und was jetzt??“ Diese Frage stellt sich jeder und jede, der schon eine Weile klettert oder bouldert und plötzlich verletzt ist. Aber was tun, wenn?

AUA!

„Ich bin doof“ ist das Erste was mir nach „AUA!“ einfällt. Synonyme hierzu wären: unvernünftig, nicht klüger als beim letzten Mal usw.. So wie sich mein Finger anfühlt, ist klar, was jetzt kommt: Kletterpause. In meinem Fall: Minimum 4 Wochen. Jedenfalls solange, bis der Finger im Alltag nicht mehr schmerzt.

Da ich mir das Problem selber zuzuschreiben habe – überraschend kommt es ja nicht – kann ich jetzt schauen, wie ich in der Zwischenzeit klarkomme.

Finger mit Blut unter dem rotgeschriebenen Schrittzug "Sad Lisa"

Kletterpause, die Erste

Wenn man das Wort „Kletterpause“ fallen lässt, zucken Kletterer zusammen als hätte ihnen jemand Gewalt angetan. Physische und psychische Folter. Eine Kletterpause gilt in der Regel als Höchststrafe und wird von den wenigsten auch wirklich durchgehalten.

Ich bin ja das beste Beispiel, denn die typische erste Kletterpause sieht so aus:  Man macht eine Woche Pause oder 10 Tage, wenn man sich „wirklich schont“ und weiter geht es. Hilft in 90% der Fälle: nüscht. Eben so wie bei mir. Ich hatte schon eine Weile Probleme mit dem Finger. Eher zunehmend als abnehmend. Mein kläglicher Versuch mit „Och, eine Woche Pause reicht schon (obwohl ich noch Schmerzen habe…)“, war süß, aber mehr auch nicht. Die Schmerzen haben sich beim Klettern sofort wieder eingestellt und der Abend ist mit starken Schmerzen und einer Schwellung geendet. Und es ist beileibe nicht meine erste Kletterverletzung. Hätte mir eben klar sein müssen, dass das so nicht funktioniert. Aber genau das ist die Realität, die ich in meinem Umfeld ziemlich häufig beobachten kann. Jeder weiß eigentlich, dass eine Woche nicht reicht, aber kaum einer hält es länger durch.

Kletterpause, die Zweite

Nachdem sich die erste zu kurze Pause in der Regel irgendwann rächt (Auch hier bin ich praktischerweise gleich der Prototyp) und man letztlich die Krankheitsphase dadurch nur unnötig verlängert, braucht es eine Strategie, um die Pause auch wirklich durchzuhalten oder -leiden. Oder wie es in diesem Artikel über Kletterverletzungen so schön formuliert wird: Man braucht einen Ausgleich, um den schmerzhaften Verlust der Lieblingssportart zu verkraften. Also neuer Versuch mit der Kletterpause!

Wie man die Verletzungspause beim Klettern übersteht

Da ich ja jetzt auch Zeit habe mich damit zu beschäftigen (Es sind gerade mal zwei Wochen vergangen), habe ich mir jetzt einen Schlachtplan zurechtgelegt, wie ich meine Kletterpause überbrücken werde und dabei noch etwas fürs Klettern tun kann.

1. „Soweit die Hände greifen“ lesen

Der Klassiker zum Thema Verletzungen beim Klettern. Einer der Autoren, Volker Schöffl, betreut seit 1996 die deutsche Kletternationalmannschaft. Der hat also mit ganz großer Sicherheit schon seeehr viele Kletterverletzungen gesehen. Mit dem Buch kann man schon mal Ursachenforschung betreiben: Warum genau sitze ich zuhause mit dem Buch im Sessel und bin nicht am Fels? Und was kann ich tun, um schnell wieder fit zu werden (Spoiler: Pause würde echt nichts schaden…) und sowas in Zukunft zu verhindern? Etwas kompakter verpackt und so zum Einstieg kann man auch den Artikel „Handverletzungen beim Klettern“ lesen. Erstaunlich, dass man nicht öfter verletzt ist, wenn man mal merkt, was man da so alles beansprucht.

2. Taping-Videos kucken

Taping gehört zu den häufigsten Behandlungen für Fingerverletzungen. Funktioniert bedingt präventiv, aber bietet sich vor allem für den Wiedereinstieg ein. Da ich viele Anleitungen nicht immer ganz klar finde, sind doch Videos eine schöne Ergänzung. Daher kann man sich hier von Volker Schöffl persönlich nochmal erklären lassen, wie das aussehen soll. Also immer schön üben, bis es wieder heißt: Allez!

https://www.youtube.com/watch?v=TQn54V3NSGM

3. Trainieren

Klingt erstmal widersinnig, wenn man das Wort „Kletterpause“ hört und dann „Training“ gegenüberstellt. Aber neben Fingerkraft gibt es ja viele andere Dinge, die man trainieren kann und die, die Finger je nach Verletzung nicht belasten. Das könnten zum Beispiel Körperspannung, den Kopf oder wie in meinem Fall der Rücken sein.  Da ich im Moment nicht nur Probleme mit der Sehne habe, sondern auch mein Kiefer gewisse Unzufriedenheit ausstrahlt, kann ich die Zeit optimal nutzen. Mein Physiotherapeut hat mir zu Ausgleichstraining und Rückenstärkung geraten. Anstatt also an den Griffen zu hängen, hänge ich am Slingtrainer und nutze die Zeit meine Schwächen auszugleichen und mir eine gewisse Ausgleichstrainingsroutine anzueignen.

4. Die Kondition verbessern

Nächste Woche fange ich an. Das sage ich zwar seit 3 Wochen ständig, aber nächste Woche fange ich wirklich wieder mit dem Rad fahren an. Ich bin ja leider eine ziemliche Frostbeule, weshalb sich mein Wiedereinstieg etwas verzögert hat. Aber Fahrrad fahren, gehört zu den wenigen Dingen, die mich das Stadtleben schätzen lassen. Morgens eine halbe Stunde zum Sonnenaufgang in die Arbeit radeln und schon sieht der Tag gleich ganz anders aus. Radfahren ist zudem ultra gesund und eine gute Kondition ist auch dem Klettern zuträglich. Also eine Win-Win-Win-Win-Situation!

Wasserrad

Das Wasserrad auf dem Weg ins Büro

5. Die Zeit für andere Projekte nutzen

Manchmal ist es ja schon erstaunlich, wie sich die Dinge fügen. Auf meiner Bucketlist für dieses Jahr stand ja: Dem Traum vom Landleben ein Stückchen näherkommen. Und der hat sich diese Woche einfach so erfüllt, wenn auch anders als gedacht. Denn ich bin ganz offiziell zum Spießer mutiert und habe einen Garten in der Fränkischen Schweiz gepachtet! Eieiei… Bauwagen gibt es da zwar nicht, aber eine Hütte (Cabin Porn!), ein eingewachsenes Grundstück und eine einmalige Aussicht. Vorletztes Wochenende haben wir den Garten entdeckt und uns wirklich über Nacht entschlossen ihn zu pachten. Ich habe vom Gärtnern allerdings bis dato gar keine Ahnung. Aber da mein Anspruch kein englischer Rasen ist, sondern einfach ein Ort zum rumwerkeln, in der mitgepachteten Hängematte liegend in die Birkenblätter kucken und abends die Feuerschale illuminieren, wird das schon irgendwie. Bauprojekte gibt es jetzt auch schon: Eine Komposttoilette bauen. Und vielleicht Kartoffel anbauen. Oder eine Blumenwiese anlegen. Oder…

Jedenfalls freue ich mich auch gerade richtig über diesen Zufallsfund und die spontane Bauchentscheidung. Die sind ja oft am besten!

Nadelbaum im Gegenlicht

6. Den Frühling genießen

Die ersten warmen Sonnenstrahlen. Die Knospen an den Bäumen. Die Krokusse im Vorgarten. Völlig egal, was, einem gerade am Frühling am meisten freut: Raus gehen und genießen, ist doch viel schöner als in einer stickigen Kletterhalle rumhängen.

Kommst du gut mit deiner Kletterpause klar? Wie nutzt du die Zeit? Verrate es mir in den Kommentaren! Ich freue mich über Leidensgenossen 🙂

Über uns

Dabei das Beste aus den kostbarsten Stunden zu machen. Wandern, Klettern, Natur und Abenteuer erleben. In Franken – meiner Heimat und auf Reisen.

5 Kommentare

  1. Hallo Lisa,
    also da wir ja gar keine richtigen Kletterer sind, haben wir ja ständig Kletterpause und könnten dir unzählige Tipps geben. Aber jetzt mit dem neuen Garten und der Feuerstelle, kommt hier mal von uns ein Outdoor-Backrezept … und Oster ist ja auch bald. 🙂

    Veganes und glutenfreies Osterbrot:

    http://outdoor-hoch-genuss.de/osterleckerei-glutenfreies-veganes-osterbrot/

    Wenn du Fragen hast, einfach bei Thoams melden.
    Viel Spaß beim backen und essen,
    lG Thomas und Silke.

    • 16hfreiheit

      Hallo ihr Beiden,

      oh, das ist sehr lieb von euch! Aber da ihr euch ja erst im Odenwald rumgetrieben habt, vermute ich, dass in euch vielleicht doch zwei versteckte Kletterer stecken 😉
      Das Rezept ist ja toll! Im Ofen bekomme ich das bestimmt hin, aber am Feuer… Ich glaube, da müsst ihr mich mal im Garten besuchen und ich lass mir von den Outdoor-Hochgenuss-Profis zeigen, wie das richtig geht 🙂

      LG Lisa

  2. Danke für den Artikel 🙂 Ich pausiere auch gerade: Schulter. Ich halte gut durch, weil mein Freund chronisch Schulterschmerzen hat und ich regelrecht Panik habe, sowas auch zu bekommen. Am Anfang habe ich aber auch einfach weiter gemacht. Dann war ich beim Orthopäden, der hat gemeckert und jetzt bin ich brav 😅 Bonus: meine „irgendwann“-To Do ist so gut wie leer, weil ich so viel Zeit habe. ☺️

    • 16hfreiheit

      Hallo Eva,

      es ist schon beruhigend, dass ich nicht die Einzige mit diesem Ungeduldsthema bin. Allerdings gibt es auf meiner „irgendwann“-Liste immer noch Sachen: Fenster putzen, Steuer anfangen, Telefonanbieter wechseln…. Irgendetwas mache ich falsch 😉

      Dir noch gute Besserung und viel Durchhaltevermögen!!
      Viele Grüße
      Lisa

  3. Pinkback: Auf Umwegen zum Blindsee - Wanderung in Tirol - 16hfreiheit

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