Freiheit

Gegenmittel für Routine: Abenteuer in 60 Minuten

Abenteuer in 60 Minuten Biker fliegt über Nürnberg

Der Duden definiert Abenteuer u.a. als „außergewöhnliches, erregendes Erlebnis“. Und damit legt er auch gleich mal schön den Finger in die Wunde: Außerhalb der Gewohnheit. Jeden Tag stehen mir rund 16 Stunden zur Verfügung für besondere Erlebnisse. Wenn ich mir überlege, wie oft ich diese Zeit nutze, nunja… Wollen wir über etwas anderes reden?!

Alltagsroutine

Denn es ist ja so: Mein Alltag wird von Routinen bestimmt. Ich kann heute sagen, was ich am Dienstagabend in sechs Wochen machen werde (ich werde beim Yoga sein) und mit Montag, Donnerstag und Freitag verhält sich das im Prinzip gleichermaßen. Nicht gerade das was nach Abenteuerstimmung klingt. Ein weiteres Hindernis ist die Sache mit dem Tageslicht in den nächsten Monaten. In die Fränkische Schweiz zum Klettern fahren, wenn es um 17:00 Uhr dunkel wird. Wohl eher nicht… eigentlich die perfekten Bedingungen, um zum Couchpotatoe zu mutieren.

Da stellt sich wieder mal für mich die Frage, wie das denn klappen soll mit dem erfüllten, erlebnisreichen Leben und mir. Auf der Couch wird das schon mal nichts, so viel ist klar. Ich werde auch nicht auswandern und Urlaube, die ja genau für diesen Ausbruch aus der Routine da sind, sind nach wie vor die Ausnahme und nicht die Regel. Also muss ich schauen, wie sich Abenteuer und Abwechslung in meinen Alltag holen lassen. Und das ist mein Job. Ich bin verantwortlich dafür, wie zufrieden ich bin.

Warum Veränderungen so schwierig sind?

Man sollte ja meinen, dass Abenteuer in meinen Alltag zu integrieren ein Kinderspiel ist. Schließlich reden wir hier über einen immens erstrebenswerten Zustand für mich persönlich. Pustekuchen! Mein Gehirn hat da eine ganz andere Sicht der Dinge. Mein Gehirn liebt Routine! Routinen sind für mein Gehirn eine praktische Arbeitsvermeidungsstrategie. Eine ritualisierte Handlung läuft gleichförmig ab;
abwägen, bewerten oder entscheiden fällt da einfach weg. Dafür, dass ich ihm Arbeit vom Hals halte, belohnt es mich auch noch mit der Ausschüttung von Hormonen. Blöderweise unterscheidet mein Gehirn nicht zwischen positiven und negativen Gewohnheiten, sondern hat es sich in seiner Arbeitsweise gemütlich gemacht. Zur Ehrenrettung meines Gehirns muss man aber auch sagen, es schafft dadurch nur Kapazitäten, um mit den ganzen Neuerungen umzugehen, die an so einem Tag auf mich einprasseln.

Selbstsabotage

Wenn ich also doch mal beschließe Donnerstag anstatt zum Bouldern in die Halle (Routine Nr. 2) eine Tour mit der Stirnlampe zu machen, passiert folgendes:
Mir (wahlweise dem Gehirn oder dem Schweinehund) fallen aus dem Stehgreif mindestens 20 gute Gründe ein, warum das eine ganz blöde Idee ist! Es ist umständlich, es regnet bestimmt bald,  außerdem ist es schlecht für meinen Trainingsstand beim Bouldern, die anderen werden fragen, wo ich bin usw. usf.

Eine Frage der Priorität

Und dann muss ich mich tatsächlich entscheiden, was mir an dem Tag wichtiger ist. Es kann ja sein, dass Bouldertraining an dem Tag einfach das ist, was ich für meine Zufriedenheit brauche. Und doch muss ich genau hinschauen: Gehe ich nur aus Bequemlichkeit in die Halle oder weil ich es möchte? Denn wenn ich nur aus Bequemlichkeit und Routine gehe, hat es letztlich den genau gegenteiligen Effekt. Ich bin unzufrieden, weil ich die Chance für ein besonderes Erlebnis einfach verstreichen habe lassen. Und das hängt mir deutlich länger nach als eine ausgefallene Bouldersession. Auch ein guter Grund ist natürlich immer: Ich habe keine Zeit. Die Wahrheit lautet, aber ich habe 16 Stunden Zeit. Es ist nur die Frage, welche Priorität ich setze!

Veränderungen kosten erstmal Energie

Die einfachste und energiesparendste Lösung für mein Problem wäre: Alte Routine durch neue ersetzen. Folglich jeden Donnerstag einfach Wandern statt Bouldern. Nach einigen Wochen hätte man Gehirn sich an diese Routine gewöhnt und alles wäre easy. Aber es soll ja eben genau nicht immer alles „seinen gewohnten Gang“ gehen. Eben mehr Abenteuer. Und gerne würde ich diese Abenteuer nicht ausschließlich aufs Wochenende mit vermeintlich mehr Zeit schieben. Von daher hilft es alles nichts. Ich muss mir einfach bewusst machen: Abenteuer angehen, kostet erstmal Energie. Wenn man aber mal die erste Hürde überwunden hat, freut man sich umso mehr.

Abenteuer in 60 Minuten Hausnummer 1,5

Auch Hausnummern tanzen mal aus der Reihe

Was ist denn so toll an Abenteuern im Alltag?

Man kann natürlich sagen: „Einfach mal unter der Woche rausgehen, ist kein Abenteuer!“. Natürlich kämpfe ich unter der Woche nicht mit wilden Tieren oder durchquere eine Wüste, aber ganz ehrlich? Mach ich im Urlaub doch auch nicht.
Was aber den Reiz von Abenteuern, egal welcher Art, ausmacht, ist doch folgendes: Es ist unbekannt (weil neu) und damit schon aufregend. Ich sehe, höre, erlebe etwas. In den Genuss der positiven Effekte von Abenteuer komme ich ja trotzdem. Ich bin herausgefordert (dafür sorgt ja schon allein mein Gehirn…), habe Spaß und flüchte für einige Zeit aus dem Alltag. Dementsprechend muss ich mir schlichtweg auch gelegentlich selbst mal in den Hintern treten. Da die dunkle Zeit beginnt und ich noch in der Stadt lebe, probiere ich in den nächsten Wochen fünf einfache Ideen für etwas mehr Abwechslung aus, die auch unabhängig von Natur und Landleben funktionieren.

Abenteuer in 60 Minuten

1. Ausgetretene Pfade verlassen

Abenteuer in 60 Minuten Zebrastreifen

Mein Vater sagt immer, dass sein Auto den Weg in die Arbeit allein finden würde. Gerade Dinge, die wir alltäglich tun, fallen uns besonders schwer zu verändern. Denn ganz am Anfang haben wir mehrere Wege ausprobiert und den Besten ermittelt. Hier etwas zu verändern, ist ja komplett unvernünftig. Aber genau darum geht es mir. Unvernünftig sein und nicht alles nach Schema F abwickeln. Also werde ich in den nächsten Wochen mal wieder neue Wege zur Arbeit oder vermutlich eher von der Arbeit heim ausprobieren.

2. Mittagspause draußen verbringen

Ich bin ein großer Fan der Mittagspause. Hungrig bin ich kaum zu ertragen, deswegen ist mir die Pause heilig und rausgehen, war bis jetzt ein lästiges Übel zur Nahrungsbeschaffung. Da die lieben Kollegen jetzt aber einen Chor* gegründet haben und einmal die Woche üben, steigt doch die Motivation an diesem Tag mal etwas Neues auszuprobieren, um ein Vielfaches.

*Hinweis: Ich mag meine Kollegen und die können alle singen. Ich nicht!

Abenteuer in 60 Minuten Blick auf die Nürnberger Burg

Mittagspause an der Burg. Why not?

3. Versteckte Ecken entdecken

In Wien habe ich eine Führung besucht, die nur Hinterhöfe gezeigt hat und fand es total toll. Zeit einen Hinterhof in Nürnberg zu erkunden und einen Tipp auszuprobieren, den ich vor längerer Zeit erhalten habe.

4. Nachts unterwegs sein

Zu Unizeiten war ich leidenschaftlich gerne nachts unterwegs. Nein, nicht zum Feiern, sondern zum Spazieren. Sterne über mir und die ideale Möglichkeit meine Gedanken zu sortieren. Kann keinesfalls schaden, das mal wieder auszuprobieren.

5. Weiterfahren

Wenn es noch kälter und nässer wird, werde ich mein Rad wieder gegen die U-Bahn tauschen. Allerdings bin ich noch nie bis zum Ende der U-Bahn-Linie mitgefahren. Das wird jetzt nachgeholt.

Weitere Tipps

Wer noch mehr über das Thema erfahren möchte und weitere Inspirationen für Abenteurer im Mini-Format sucht, dem oder der empfehle ich sich mal mit Alastair Humphreys, dem Erfinder der Microadventures, zu beschäftigen. Er hat mich auch zu diesem Blog inspiriert.

Was hilft euch aus der gewohnten Routine auszubrechen? Habt ihr irgendwelche Tipps für mich? Verratet es mir in den Kommentaren. 

Über uns

Dabei das Beste aus den kostbarsten Stunden zu machen. Wandern, Klettern, Natur und Abenteuer erleben. In Franken - meiner Heimat und auf Reisen.

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