Klettern Unterwegs

Klettern rund um Meran – Tipps fürs Klettern und Bouldern

Klettern Meran Blick vom Klettersteig auf das Schloss Juval

Das kommende Wochenende bietet sich für eine Verlängerung und folglich auch für Kurztrips an. Südtirol ist ja immer einen Besuch wert und daher gibt es ein paar Tipps zum Klettern und Bouldern rund um Meran.

Meran

Klettern Meran Stadt Meran

Meran ist nach Bozen die größte Stadt Südtirols und liegt in einem Talkessel zwischen Vinschgau und Passeiertal. Die Stadt ist als Kurort bekannt und wegen seines milden Klimas beliebt. Meran liegt nur 325m über dem Meeresspiegel und ist damit gerade im Frühjahr (wir waren im Mai dort) oder im Herbst ein guter Ausgangsort für diverse Kletter- und Boulderaktivitäten, da man sich um Schnee noch nicht allzu viele Sorgen machen muss. Hier wachsen sogar Palmen und die Stadt bietet ein vielfältiges Alternativprogramm, wenn die Finger doch mal einen Tag Ruhe brauchen. Wer nicht um seine Hornhaut besorgt ist, kann sich in der Therme Meran verwöhnen lassen. Für Pflanzenfreunde oder alle die auf Sissis Spuren wandeln möchten, ist Schloss Trauttmansdorff einen Besuch wert.

 

Tipps fürs Klettern rund um Meran – Klettern, Bouldern und der Klettersteig Hoachwool

Marchegghof

Klettern Meran MarchegghofDer Marchegghof liegt auf knapp 2000m und bietet sich daher nur in den Monaten von April bis Oktober (je nach Schnee und Witterung) für Klettertouren an. Hier gibt es 30 Sportkletterrouten eher im unteren Schwierigkeitslevel (4 – 8) an drei Blöcken. Die Wand ist daher bei Anfängern sicher beliebt, auch wenn wir ziemlich allein waren. Mich hat das Klettern dort nur so mittel überzeugt (u.a. wegen künstlicher Griffe in den Aufwärmrouten), aber da die Kulisse so eindrücklich ist, hat es das Eck trotzdem in meine Tipps geschafft. Der Marchegghof spielt nämlich die Hauptrolle im Film „Das finstere Tal“ und was Besseres hätten die Produzenten gar nicht finden können. Die Alleinlage des Hofs im Schnalstal gibt so eine perfekte Kulisse ab und ich konnte mir die Handlung des Films (u.a. mit Sam Riley) sofort vorstellen. Also, gibt es eine Kletterempfehlung für Westernfilmfans.

Burgstallknot in Partschins

Klettern Meran Burgstallknot

Auch am Burgstallknot finden sich Routen in vergleichbarer Schwierigkeit wie beim Marchegghof. Allerdings liegt die Wand in wärmeren Gefilden und bietet einen Rastplatz mit Bänken unterhalb des abschüssigen Wandfusses an. Im perfekten Gneis ist für jeden Geschmack etwas dabei. Von Platte bis Überhang findet jeder etwas auf einer Routenlänge von sechs bis fünfzehn Meter. Auch am Wochenende war es hier recht ruhig und man hat einen herrlichen Ausblick in der Wand. Die Absicherung empfand ich als gut und somit steht hier einem perfekten Klettertag nichts mehr im Wege.

Besonders toll fand ich, dass wir nach dem Klettern noch einen Abstecher zum Wasserfall in Partschins gemacht haben. Der 97m hohe Wasserfall war sehr beeindruckend und die leichte Wanderung vom Parkplatz aus hat ca. 30 Minuten gedauert und war ein super Ausgleich.

Klettern Meran Wasserfall Partschins

Algund

Algund ist das Topbouldergebiet rund um Meran. Kein Wunder bei über 400 Routen, die sich auf 15 Sektoren verteilen und sowohl Anfänger als auch Highend-Kletterer ansprechen. Wir waren viel im Sektor 13 Dormitorio unterwegs und in Eden (3). Das Gebiet ist echt super, aber bei der Fülle der Boulder macht ein Studium des Führers im Vorfeld wirklich Sinn. Sonst ist man einfach etwas überfordert und weiß gar nicht so recht, wo man als Erstes hinsoll. Gebouldert wird auch im herrlichsten Gneis und ich würde da jederzeit wieder hinfahren. Insbesondere da wir es in unserem Urlaub vielleicht gerade mal in ein Drittel der Sektoren geschafft haben!

Klettern Meran Boulder Algund

Bergsteigerblick geht auch auf einem Boulder

Bierkeller

Den für mich schönsten Spot haben wir leider erst am Abreisetag gemacht. Es handelt sich dabei um ein kleines Gebiet mit 36 Boulder. Allerdings war die Lage des Gebiets im Wald einfach herrlich und gerade im Hinblick auf die Schwierigkeiten hatte ich hier nochmal mehr Spaß als in Algund: Super Boulder, keine weiten Wege, direkt am Parkplatz, anfängerfreundlich und dann auch noch im schönen Ambiente. Einziger Wermutstropfen im Herbst ist, dass die Blöcke lange nass bleiben. Aber ansonsten war der Bierkeller die Entdeckung für mich rund um Meran! Und ein richtiger Bierkeller liegt auch direkt am Parkplatz.

Klettern Meran Bierkeller

Kletterführer

Wir hatten sowohl fürs Klettern als auch fürs Bouldern jeweils den Führer des Alpenvereins Südtirols „Bouldern in Südtirol“ bzw. „Sportklettern in Südtirol“ dabei. Die Anfahrtsbeschreibungen und die Topos selbst sind wirklich klasse; mit den Zustiegsskizzen hatten wir gerne mal unsere Schwierigkeiten. So fehlt im Boulderführer bei der Skizze für den Sektor Eden in Algund für meinen Geschmack die Erklärung, dass es sich bei der eingezeichneten Querung nicht um die Bergbahn handelt, sondern um die Stromleitung. Sowas sorgt ja gerne mal für Verwirrung. Einen Sektor haben wir gar nicht gefunden. Von daher lohnt es sich durchaus ein paar Tage in das Gebiet zu investieren, um sich gut auszukennen. Ansonsten sind die Führer aber sehr zu empfehlen und auch als App verfügbar.

Klettersteig Hoachwool

Klettern Meran Klettersteig HoachwoolWer genug von Klettern und Bouldern hat, der kann natürlich auch noch einen Klettersteig angehen. Wir haben den Klettersteig Hoachwool gemacht, der aufgrund seiner Vielseitigkeit und Historie wirklich lohnend ist.

Allerdings sollte man sich gut überlegen, ob man den Anforderungen gewachsen ist.

Der Klettersteig ist nichts für Anfänger

Zum einen ist der Klettersteig wirklich lang und ein Rückzug ist mehr oder minder unmöglich. Zu Beginn ist eine Seilbrücke zu queren und ab dann reihen sich einige Abschnitte der Schwierigkeit A bis D aneinander. Die Seilbrücke ist bereits die letzte Möglichkeit für die Umkehr und die schwierigen Stellen kommen erst am Schluss. Wir waren ca. 5 Stunden in der Wand unterwegs und dann folgt nochmal ein 1,5 stündiger Abstieg zum Parkplatz über Wanderwege oder der Aufstieg zur Seilbahn weiter nach oben. Die Wand hat Südausrichtung und es wird im Sommer dementsprechend heiß. Ich habe mir dort meine Jahresbräune geholt. Sie wird also nicht umsonst „Sonnenhang“ genannt! Im oberen Teil gibt es mehrere überhängende Stellen nacheinander, bei denen einem nicht die Kraft ausgehen sollte. Auch wir haben einen erschöpften Kletterer getroffen, dem wir an einer Stelle geholfen haben. Die Bergrettung muss hier regelmäßig Menschen aus der Wand bergen. Also informiert euch bitte vorher, genau über den Klettersteig und nehmt ausreichend Sonnenschutz und Getränke mit und steigt auch nicht zu spät ein. Z.T. finden sich Angaben mit 3 Stunden, die meiner Ansicht nach nicht machbar sind.

Geschichte unter den Füßen

Wer aber konditionell und auch im Hinblick auf Technik und Armkraft richtig fit ist, der bekommt Geschichte live präsentiert. In der Mitte der Wand quert man auf dem „Waal“ die Wand. Waale sind Wasserrinnen aus Lärchenholz, die zum Teil noch heute der Bewässerung der Gegend dienen. Gegenüber auf der anderen Seite des Tals liegt das Schloss Juval von Reinhold Messner. Ich fand den Klettersteig einfach ziemlich beeindruckend, gerade wenn man bedenkt, dass die Waaler hier früher ungesichert rumgekraxelt sind und gearbeitet haben.

Unterkunft

Rund um Meran gibt es einige Campingplätze. Wir haben uns für eine Ferienwohnung in Marling entschieden und waren sehr zufrieden.

Anreise

Egal, was das Navigationssystem sagt: Fahrt nicht über das Timmelsjoch! Bloß nicht… wir treudoofen Schafe haben das Ende Mai probiert und sind kläglichst gescheitert, weil wir einfach nicht aufgepasst haben. Und am Joch umdrehen und wieder zurück fahren bis fast nach Imst kostet richtig Zeit (und man zahlt wenn man drüber fährt auch noch dafür). Ein Fehler, den man bei einem Kurztrip lieber vermeidet. Oder informiert euch im Zweifelsfall vorher, ob die Straße geöffnet ist. Ende Oktober wird der Pass aber wieder bis Ende Juni gesperrt und bis dahin tagesaktuell nach Schneelage. Also entweder gleich klassisch über den Brenner fahren oder den etwas längeren Weg über Imst und den Reschenpass wählen.

 

Wo sollte man im Herbst sonst noch zum Klettern hinfahren? Habt ihr noch ein paar Ideen?

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